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Meine Fahrt zum Auswärtsspiel in Aue begann am Dresdner Hauptbahnhof. Von hier fuhr mal wieder ein Sonderzug, der speziell für mehrere hundert Dynamofans eingesetzt wurde. Doch bevor man darin Platz nehmen konnte, hieß es erstmal anstehen und filzen lassen...
Man war das von Ordnern im heimischen wie auch auswärtigen Stadien zwar schon gewohnt, doch hier am Bahnsteigaufgang führte dies die Bundespolizei durch. Im Visier ihrer Kameras mussten sich also alle erstmal einer Körperkontrolle unterziehen. Danach suchte ich mir im letzten Waggon einen Sitzplatz und wartete auf den Fahrtbeginn. Mit einer Viertelstunde Verspätung ging es dann auch los.
Im Zug herrschte ausgelassenen Stimmung. Es wurde Bier aus Plastikflaschen getrunken, die Tagespresse durchstöbert, diskutiert über die aktuellen Berichte bezüglich der Einstellung von Herrn Beutel als Sportdirektor sowie Herrn Dotchev als neuen Trainer, sich aufgeregt über die langen Schlangen an den Toiletten und mit zunehmender geografischen Nähe zum Zielort auch lautstark gesungen. Zuweilen war ich etwas genervt vom proletenhaften Verhalten einiger Mitreisender, aber voller Vorfreude auf das Spiel schaute ich darüber hinweg. Nach Zwischenstopps in Freiberg, Chemnitz und Zwickau erreichten wir endlich den Auer Bahnhof. Dort wurden wir bereits von mehreren Hundertschaften Uniformierter empfangen. Nach kurzem Sammeln auf dem Bahnsteig ging es dann geschlossen hinein in die Unterführung, wo auch schon die ersten pyrotechnischen Erzeugnisse gezündet wurden. Sämtliche Lampen an den Seitenwänden wurden außerdem binnen Sekunden mit allen möglichen Dynamo-Aufklebern verschönert. Außerhalb des Tunnels erwartete uns dann eine Art künstlicher Trichter aus Polizeifahrzeugen geformt, der sich nachdem alle Dresdner Anhänger hineinliefen hinter uns schloss. Wir wurden also in einem Kessel aus Stoßstange an Stoßstange fahrenden „Sixpacks“ mit außen herum laufenden behelmten Ordnungshütern zum Stadion geleitet. Dabei wurden wir natürlich von mehreren Seiten gefilmt und ein Hubschrauber kreiste über uns. Ich fühlte mich wie ein Verbrecher bei einer öffentlichen Zurschaustellung. Auch hier waren zur belustigung aller in kürzester Zeit fast alle Einsatzfahrzeuge mit mehreren schwarzgelben Aufklebern beklebt. Auf dem Weg zum Stadion gab es dann leider mehrere Vorkommnisse, durch welche circa 50 Dresdner nähere Bekanntschaft mit Pfefferspray machen mussten. Die Gründe dafür waren meistens lächerlich und nur auf die auf beiden Seiten aufgeheizte Stimmung zurückzuführen. Vielen Betroffenenen wurde auch verweigert, den sich bewegenden Kessel zu verlassen, um sich zu erholen. Sie wurden wieder in die Massen geschubst. Desweiteren wurde man in diesem Kessel halb vergiftet, da die Abgase der im Schritttempo fahren Fahrzeuge quasi direkt in unsere Menschenmasse gepumpt wurden. Der Gestank der sich langsam auflösenden Kupplungen mehrerer Fahrzeuge verstärkte das außerdem. Ich war heilfroh, als wir es endlich bis zum Stadion geschafft hatten. Kaum war ich am Einlass, gab es schon wieder einige Tumulte zwischen schwarzgelben Anhängern und grünweißen bzw. schwarzgekleideten Begleitern. Zum Glück aber nicht in meiner Nähe. Endlich drinnen holte ich mir noch schnell eine Bockwurst und ein Bier. Währenddessen wieder heftige Tumulte am Eingang, der kurzzeitig durch ins Stadiongelände stürmende Polizisten geräumt wurde. Als es sich wieder beruhigt hatte, suchte ich mir dann schnell einen Platz auf den Traversen. Nun konnte es losgehen. Das Spiel begann, der Dresdner Anhang machte ordentlich Stimmung und die Mannschaft lieferte sich zu Beginn einen recht ausgeglichenen Schlagabtausch mit den Auer Spielern. Torchancen blieben zunächst allerdings Mangelware. Viele Abspielfehler und zu hektisches Spiel ließ keinen richtigen Spielfluss unserer Schwarzgelben entstehen. Aue hatte zwar auch nicht viele Chancen, nutzte diese dann allerdings vortrefflich. Nach dem ersten Treffer hatten sich unsere Jungs kaum erholt, hieß es auch schon 2:0. Die Halbzeit war erstmal gelaufen. Und die Fans schimpften. In der zweiten Halbzeit hofften dann alle auf eine Aufholjagd. Mit drei neuen Spielern ging es weiter. Durch die Umstellung der Mannschaft und die abwartende Haltung der Auer Spieler hatte Dynamo nun mehr Spielanteile, aber Chancen entstanden trotzdem nicht viele. Verloren Pässe und Zweikämpfe luden den Gegner auch ab und an zu Konterangriffen ein. Doch ein weiteres Tor viel nicht mehr. Nach dem Spiel kam die Mannschaft mit hängenden Köpfen nochmal in die Kurve und bedankte sich für die Unterstützung der Fans. Danach verließen alle resigniert das Stadiongelände. Dort ereigneten sich dann allerdings wieder ein paar unschöne Szenen. Die Polizei hatte es nicht geschafft die komplette Straße ordentlich abzusperren. So kam es dazu, dass direkt vor unserem Ausgang in regelmäßigen Abständen immer wieder Gruppen von Aue-Anhänger auf dem Nachhauseweg vorbei kamen. Sofort fingen einige Chaoten an rumzupöbeln und manche sogar mit schubsen und treten. Ich war schockiert. Zumal unter den Auern auch alte Ehepaare oder Kinder dabei waren. Als die Uniformierten das mitbekamen, stürmten sie sofort in die Massen hinein. Mit einem beherzten Sprung über die Leitplanke der Straße konnte ich mich dem Tumult zum Glück schnell entziehen. Die Polizei versuchte dann schnell die Straße abzusperren, was einige trotzdem nicht davon abhielt den dahinter langlaufenden Einheimischen ihre Unmutsbekundungen mitzuteilen. Nachdem alle in den bereits auf uns wartenden Fahrzeugkessel waren, setzte sich der Konvoi wieder in Richtung Bahnhof fort. An mehreren Kreuzungen hatten sich hinter dicken Polizeireihen hunderte Aue-Fans versammelt, was viele Dresdner wieder anstachelte laute Parolen und Pöbeleien von sich zu lassen. Außerdem wurden einige Knaller losgelassen. Einer leider auch direkt unter mir, sodass ich die nächsten 5 Minuten erstmal damit beschäftigt war, zu überprüfen, ob mein Gehör irgendwelche Schäden davongetragen hat. Zum Glück war das nicht so. Aber ich war stinksauer. Böller in den Reihen der eigenen Leute zu zünden ist nicht nur gefährlich, sondern auch dumm dazu. Solche Leute gehören eingesperrt und aus der Gemeinschaft der Dynamo-Anhänger rigoros ausgeschlossen. Am Bahnhof angekommen musste ich mir erstmal ein Bier am Stand der Ultras im Zug holen um mich wieder halbwegs zu beruhigen. Die Organisation dessen war nebenbei mal erwähnt echt lobenswert. Im letzten Zugwaggon hatten sie ein Tresen eingerichtet, wo es kostengünstig Bier und alkoholfreie Getränke sowie verschiedene Snacks gab. Auf der Fahrt blieb es dann ruhig. Einige Dresdner Anhänger unterhielten sich locker mit den mitreisenden Bundespolizisten. Wiederum andere versuchten sich mit einem komplett in Dynamo-Montur gekleideten Ungar zu verständigen. Bis auf das Wort „Prost“ ist das glaube ich nicht wirklich geglückt. Kurz nach zwölf Uhr kamen wir wieder am Hauptbahnhof an und die Dynamofans zerstreuten sich in alle Richtungen.
                              
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